Anlass: Reagiert auf die Eckpunkte der Bundesregierung vom 14. Oktober 2026 zu sozialen Netzwerken für Kinder unter 13 und auf den Vorschlag der EU-Kommission vom 17. September 2026.
Am 14. Oktober 2026 hat die Bundesregierung Eckpunkte beschlossen: Kinder unter 13 sollen grundsätzlich keinen Zugang zu sozialen Netzwerken bekommen. Ausnahmen soll es für Angebote geben, die nachweislich für Kinder geeignet sind. Für Jugendliche von 13 bis 18 sind Einschränkungen je nach Alter geplant, die Einzelheiten sind noch offen.
Wichtig für den Alltag: Eckpunkte sind noch kein Gesetz. Dafür muss erst das Jugendschutzgesetz geändert werden, und einen Starttermin gibt es nicht. Bis dahin gilt keine neue Altersgrenze.
Auf EU-Ebene liegt seit dem 17. September 2026 ein Vorschlag der Kommission vor, und Deutschland will die Regeln gemeinsam mit anderen EU-Staaten festlegen. Nach diesem Vorschlag gäbe es unter 13 kein Konto. Mit 13 und 14 gäbe es ein eingeschränktes Konto, das die Eltern einrichten und bei dem sie die Kontakte bestimmen. Genutzt würde es höchstens eine Stunde am Tag. Ab 15 bekäme ein Kind ein eigenes Konto mit Schutzfunktionen. Steht in einer Schlagzeile also mal „ab 13“ und in der nächsten „ab 15“, meint das oft verschiedene Stufen oder verschiedene Pläne. Österreich plant übrigens eine Grenze bei 14.
Geplant ist außerdem Schutz, der von Anfang an in die Apps eingebaut sein soll, oft „Safety by Design“ genannt: Empfehlungen nach dem bisherigen Verhalten sollen von Anfang an ausgeschaltet sein. Endloses Scrollen ohne Pausen soll es nicht geben, ebenso keine Belohnungen dafür, jeden Tag wiederzukommen. Und Fremde sollen Kinder nicht einfach anschreiben können.
Wie das Alter nachgewiesen wird, ist noch nicht im Einzelnen geklärt. Ein Weg ist eine geplante App als digitale Brieftasche. Sie heißt in den Plänen „d-you“, soll ab Anfang 2027 kostenlos kommen und ist freiwillig. Für den Altersnachweis kann es reichen, dass sie nur das Mindestalter bestätigt. Wer sie nicht nutzt, darf nicht benachteiligt werden. Und wenn die App startet, gilt damit noch keine Altersgrenze.
Dazu kommen geplante Hilfen: eine Vorsorgeuntersuchung U10, in der auch digitale Medien Thema sein sollen, eine Infokampagne für Eltern und kindgerechtere Online-Wachen der Polizei.
Eine Altersgrenze zieht eine Linie, das Gespräch nimmt sie Ihnen nicht ab. Was ein Verbot allein bewirkt, zeigt Australien: unser Funkspruch dazu. Einiges von dem, was geplant ist, können Sie schon heute selbst einstellen.
Was Sie heute schon tun können:
- Das Mindestalter der Apps kennen. Viele soziale Netzwerke erlauben laut ihren Nutzungsbedingungen schon heute erst ab 13 ein eigenes Konto, manche später. Neu wäre vor allem, dass das Alter nachgewiesen werden muss. Schauen Sie gemeinsam nach, was für die Apps Ihres Kindes gilt.
- Vor dem Mindestalter kein eigenes Konto. Danach das Konto gemeinsam einrichten, nicht nebenbei, mit dem echten Geburtsdatum: Viele Apps schalten strengere Voreinstellungen für Jugendliche nur ein, wenn das Alter stimmt. Hat Ihr Kind schon ein Konto mit falschem Alter, sprechen Sie in Ruhe darüber, statt es zu bestrafen.
- Empfehlungen und automatisches Abspielen ausschalten, wo die App das anbietet.
- Festlegen, wer Ihr Kind anschreiben darf: Nachrichten von Fremden sperren, das Profil auf privat stellen.
- Ihrem Kind sagen, an wen es sich wendet, wenn ihm etwas komisch vorkommt: an Sie. Und wenn es lieber erst mit jemandem außerhalb der Familie sprechen möchte, an die Nummer gegen Kummer.
Für heute: Setzen Sie sich zehn Minuten mit Ihrem Kind an seine liebste App und klären Sie zusammen drei Fragen. Ab welchem Alter ist sie erlaubt? Wer darf schreiben? Was spielt sich von selbst ab? Das Gespräch wartet nicht aufs Gesetz.
Und falls du das als Kind liest: Das sind erst Pläne, für dich ändert sich heute nichts. Wenn dir im Netz jemand schreibt, den du nicht kennst, oder dir etwas komisch vorkommt, erzähl es deinen Eltern. Das ist nie falsch. Und wenn du lieber erst mit jemandem außerhalb der Familie sprechen möchtest: Die Nummer gegen Kummer erreichst du unter 116 111, montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr, kostenlos und anonym.
Passend dazu aus der Lernwelt: „Wenn dir ein Fremder schreibt“, „Blockieren und Melden“, „Wie Algorithmen dich lenken“, „So redet ihr miteinander“.